1. Elternbrief für das Schuljahr 2020/2021

chefsache Liebe Eltern, liebe Schülerinnen und Schüler,

nach unseren Sommerferien, die hoffentlich trotz der ungewohnten Lage zur Erholung und zum Schöpfen neuer Kraft ausreichten, begann das neue Schuljahr.

Es wird für uns alle viele Neuerungen oder Änderungen bringen, mit denen wir leben müssen, auch wenn wir nicht mit jeder Festlegung einverstanden sein werden.

Bevor ich zu diesen neuen Festlegungen komme, möchte ich aber einen kurzen Rückblick über das vergangene Schuljahr geben.

Das Schuljahr 2019/2020 war in vieler Hinsicht sehr ungewöhnlich. Es begann mit der Visitation unmittelbar nach dem Beginn des Schuljahres bei ähnlichen Temperaturen wie sie auch in diesem Jahr herrschen. Die Vorbereitung und Durchführung kostete viel Zeit und Nerven. An dieser Stelle möchte ich mich nochmals bei allen Eltern, Schülerinnen und Schülern und den Lehrern bedanken, die dazu beitrugen, dass die Visitation ein voller Erfolg wurde.

Sicher kennen Sie den Spruch: „ Eigenlob stinkt!“. Es ist nicht richtig salonfähig, trifft den Kern der Sache aber recht gut – unsere Schule gehört mit zu den besten Schulen im Land Brandenburg.

Nach der Visitation hofften wir darauf, endlich in den Normalbetrieb übergehen zu können. Leider erfüllte sich diese Hoffnung nicht in vollem Umfang. Wir hatten langzeiterkrankte Kolleginnen und Kollegen, deren Ausfall kompensiert werde musste. Stundenpläne wurden geändert, Fachlehrer wechselten und einige Kolleginnen übernahmen mehr Unterricht, als sie es laut Arbeitsvertrag tun mussten.

Und dann kamen die ersten Nachrichten über eine neue Viruserkrankung. Erst aus China, dann aus anderen asiatischen Ländern, schließlich aus Italien und Österreich. Die berühmten Einschläge näherten sich und erreichten Deutschland. Mitte März gab es dann die ersten, rasend schnell über soziale Netzwerke verbreiteten Nachrichten, dass es auch an unserer Schule infizierte Schüler geben solle. Zum Glück war es wirklich nur ein Gerücht.

Am Freitag, es war zu allem Unglück auch noch der 13. März, erhielten Sie über die Homepage den ersten Elternbrief zu „ Corona“. Da versicherte ich Ihnen, in der festen Annahme recht zu haben, dass es im Land Brandenburg nicht zu Schulschließungen kommen wird. Ungefähr vier Stunden nachdem der Brief auf unserer Homepage erschien, fand in Potsdam die Pressekonferenz statt, auf der die Schließung von Kitas und Schulen bekannt gegeben wurde.

In der folgenden Zeit waren Schülerinnen und Schüler, Sie als Eltern und wir Lehrer reichlich damit beschäftigt, uns an die neuen Verhältnisse zu gewöhnen.

Über Lehrer wurde und wird ja viel gelästert weil Schülerinnen und Schüler mehr Ahnung von der Technik haben als sie. Na, stimmt nicht immer. Ich hatte einen lieben Schüler in einer 10. Klasse, der seine Aufgaben löste, mit dem Rechner sehr ordentlich schrieb, ausdruckte, fotografierte und dann die Fotos in die Schule schickte.

Wir merkten aber auch ganz schnell, dass der persönliche Kontakt zwischen Schülern und Lehrern einfach fehlte. Rückmeldungen konnten nicht gegeben werden, schnell einmal einen Hinweis zu geben ging nicht – Technik allein ist nicht der Ausweg aus jedem Problem. Einmal abgesehen davon dass die Schulen von mehr oder meist weniger wissenden „ Fachleuten“ zum Sündenbock für fehlende Technik gemacht wurden. Da sind ganz andere Verursacher der oft mangelhaften Ausstattung gefragt.

Mit der schrittweisen Aufnahme des Schulbetriebs kamen die nächsten Herausforderungen auf uns zu. Konzepte mussten erarbeitet werden, die sich von Schule zu Schule deutlich unterschieden. Während wir in Ortrand versuchten, die Kinder so viel wie möglich in der Schule zu haben gab es, gar nicht so weit weg, für manche Klassen nur an einem Tag in der Woche Unterricht.

Wie in allen Jahren zuvor schrieben unsere Schülerinnen und Schüler der Klassen 10 Vorprüfungen in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch. Diese Vorprüfungen werden unter realistischen Prüfungsbedingungen geschrieben, so dass die „richtige“ Prüfung nicht so viele Probleme bereitete.

Unsere 10. Klassen waren vielleicht besser als in den meisten Jahren zuvor auf die Prüfungen vorbereitet. Sie hatten, nachdem der Präsenzunterricht wieder einsetzte, fast nur noch Deutsch, Mathematik und Englisch. Dazu kam die persönliche Vorbereitung – „ schon“ war ein super Prüfungsergebnis erreicht.

Was jetzt vielleicht nicht ganz so ernst klingt ist aber vollkommen ernst gemeint.

Unsere 10. erreichten im Landesdurchschnitt Brandenburgs richtig, richtig gute Ergebnisse. In Mathematik wurde bei uns in Ortrand ein Durchschnitt von 2,0 erreicht. Der Landesdurchschnitt lag bei 3,5. In Deutsch erreichten wir einen Durchschnitt von 2,5, im Land war es ein Durchschnitt von 3,3 und im schriftlichen Teil der Englisch-Prüfung kamen unsere Schülerinnen und Schüler auf 2,8 gegenüber 3,5 im Land Brandenburg. Damit setzte sich der Trend der letzten Jahre fort, dass unsere Prüfungsergebnisse immer besser waren als der Landesdurchschnitt. Darauf kann man stolz sein, darauf bin ich stolz und bedanke mich bei allen Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern, bei Ihnen, liebe Eltern – sie haben diese Ergebnisse erst möglich gemacht.

Zum Ende des letzten Schuljahres verließen uns nicht nur unsere Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen. Wir verabschiedeten auch Kinder nach der Klasse 4 in die Leistungs- und Begabtenklassen der Gymnasien und Kinder nach der Klasse 6 in Klasse 7 des Gymnasiums. Auch Frau Hensel, sie war fast 15 Jahre an der Schule als Fachlehrerin für Sport und Deutsch tätig, wurde in den Ruhestand verabschiedet. Dadurch wurde besonders im Fachbereich Deutsch eine Lücke gerissen, die nur schwer zu schließen ist.

Nun ist das neue Schuljahr schon wieder über zwei Wochen alt. Der Unterricht im Regelbetrieb wurde von den meisten Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern und auch von den meisten Eltern erwartet.

Wir erhielten keinen Ersatz für Frau Hensel. Das macht die Arbeit für unsere Deutschlehrerinnen nicht leichter. Wenn eine Deutschlehrerin ausfällt, muss meist im Klassenverband unterrichtet werden.

Dafür kam Frau Reiß nach der Elternzeit zurück an die Schule. Sie übernahm die neue Klasse 3. Am 08. August konnten unsere 25 Lernanfänger begrüßt werden. Durch die besonderen Umstände, die uns durch das Corona-Virus plagen, verlief die Einschulung anders als in den letzten Jahren, aber für die Kinder war der Tag bestimmt genau so schön.

Für die neuen Klassen 7 meldeten sich mehr Schülerinnen und Schüler an, als wir aufnehmen konnten. Dadurch mussten mehr als 10 Kinder abgelehnt werden. Trotzdem sind die Klassen 7 mit jeweils 29 Schülern mehr als nur gut gefüllt. Als Klassenleiterinnen sind Frau Marticke und Frau Weber tätig. Wenn man allein von der Schülerzahl ausgeht hätten drei neue Klassen 7 gebildet werden können. Aber da es im Land Brandenburg, so wie in allen anderen Bundesländern auch, nicht genügend Lehrer gibt, durften nur zwei Klassen eröffnet werden.

Mit dem 10. August 2020 begann das neue Schuljahr. Es steht, wie auch das vergangene Jahr, im Zeichen des Corona-Virus.

Durch das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport wurden allgemeine Regelungen getroffen. Die konkrete Umsetzung kann sich von Schule zu Schule, von Ort zu Ort unterscheiden. Immer müssen die Verhältnisse an der Schule eingeschätzt werden. Ob wir richtig handeln – wer weiß es? Wichtig für uns alle ist es, durch Vorsicht, Rücksichtnahme und das Einhalten leichter Regeln zu verhindern, dass es zu einer erneuten Schließung der Schule kommt.

In den ersten Elternversammlungen wurden Sie über das Verhalten informiert, wenn Ihr Kind Erkältungsanzeichen zeigt. Ich möchte Sie auch nochmals bitten, Ihr Kind vorsorglich nicht in die Schule zu schicken, wenn es krank ist. Besonders beim Auftreten von Fieber muss es unbedingt einem Arzt vorgestellt werden.

Auch wenn wir uns über den Sinn oder Unsinn des Maskentragens gerne streiten können, es ist auf den Fluren, im Treppenhaus, an der Bushaltestelle, in Bus und Bahn Pflicht. Im Unterricht muss keine Maske getragen werden. Es ist möglich, in bestimmten Fällen vom Tragen der Maske befreit zu werden. Sollte ein solcher Fall bei Ihrem Kind vorliegen bitte ich Sie, das durch ein entsprechendes Attest bestätigen zu lassen.

Falls es in der Schule zu nachgewiesenen Corona-Infektionen kommen sollte, legt das Gesundheitsamt das weitere Vorgehen fest.

Ich hoffe, dass uns eine Schließung der Schule erspart bleibt. Für das laufende Schuljahr haben wir aber drei mögliche Optionen. Am besten wäre es für alle Schülerinnen und Schüler, für Sie und die Lehrerinnen und Lehrer, wenn wir weiter im Normalbetrieb, mit kleinen Einschränkungen, unterrichten könnten.

Allerdings gab es in den ersten Schulwochen durch die Hitzewelle erste Probleme. Unsere Kinder kamen aus den Ferien und hatten noch gar nicht richtig in den „Schulmodus“ geschaltet – und dann gab es gleich über mehrere Wochen „Hitzefrei“. So sehr sich die Schülerinnen und Schüler freuten und, seien wir mal ehrlich, während unserer Schulzeit gab es kaum einen Schüler, der über Hitzefrei böse gewesen wäre, es verhinderte bei nicht wenigen Jungen und Mädchen den Start in das neue Schuljahr mit voller Kraft.

Aber zurück zu Corona. Eine weitere Möglichkeit wäre der Unterricht so wie vor den Ferien. Etwa die Hälfte der Kinder wäre in der Schule, die andere Hälfte zu Hause. Unterricht in der Schule, Hausaufgaben und Nachbereitung des neuen Unterrichtsstoffes zu Hause. Es war im Mai und Juni 2020 auch nicht der Idealfall, aber immer noch viel besser als die komplette Schließung der Schule. Diese Komplettschließung wäre dann der schlimmste Fall, der uns treffen könnte, auch wenn das manche Kinder sicher anders sehen.

Zwar haben wir Erfahrungen sammeln müssen und sammeln können, aber von einem „Homeschooling“, von dem so viele „ Bildungsexperten“ reden, waren wir, wie die meisten Schulen, weit entfernt. Bei der Korrektur der Arbeiten, die mir abgegeben wurden, merkte ich, wie die meisten Lehrerinnen und Lehrer auch, dass es ohne den persönlichen Kontakt zum Schüler gar nicht geht. Wie oft habe ich überlegt: „ Jetzt müsstest Du dem Schüler eigentlich sagen, dass er seine Aufgabe ganz prima erledigte oder erklären, warum es nur eine 2 gibt!“

Es gab Kolleginnen und Kollegen, die es schafften, den persönlichen Kontakt zu ihren Kindern zu halten. Dafür gebührt diesen Lehrerinnen und Lehrern großer Dank. Manchmal war dieser Kontakt aber nicht möglich. Ein Lehrer, der in allen Klassen von 7A bis 10B unterrichtete, hatte im letzten Schuljahr über 200 Schülerinnen und Schüler zu betreuen. Da ist es mit dem persönlichen Kontakt sehr, sehr schwierig.

Wie in den letzten Jahren sammelten die Klassenleiterinnen und Klassenleiter im letzten Jahr Kopiergeld ein. Dieses Geld wird an den Schulträger überwiesen, ist also keine „ schwarze“ Kasse. Zustande kam das Kopiergeld um die Eltern zu entlasten. Mittlerweile gibt es für fast alle Fächer zu den Lehrbüchern passende Arbeitshefte. Ein Arbeitsheft kostet zwischen 8 und 10 Euro und muss, wenn es in der Schule genutzt werden soll, von den Eltern gekauft werden. Im Unterricht wird aber im Lauf eines Schuljahres nicht das komplette Arbeitsheft gebraucht sondern nur einzelne Seiten. Daher beschlossen wir im Kollegium, nur noch die Arbeitshefte zu bestellen, die wirklich effektiv genutzt werden und den Schülerinnen und Schülern lieber Kopien zu geben wenn es sinnvoll ist. Eine Regelung wie in Sachsen, in der die Kassierung von Kopiergeld untersagt ist, gibt es in Brandenburg nicht.

Durch die Schulschließung erhielten nicht alle Kinder so viele Kopien wie in den Jahren davor. Das gleicht sich aber in diesem Schuljahr aus. An allen Schulen im Land Brandenburg müssen die Lernausgangslagen in den ersten drei Wochen des Schuljahres ermittelt werden. Das wird in den Klassen 1, 3, 5 und 7 schon immer gemacht, allerdings gibt es für diese Klassen Hefte, die uns zur Verfügung gestellt werden. Für alle anderen Klassen mussten die Tests heruntergeladen und dann für jeden Schüler kopiert werden. Das stellte einen ungeheuren Aufwand dar, so dass die oben erwähnten 8€ Kopiergeld und der Rest aus dem letzten Jahr mehr als sicher aufgebraucht wurden.

Liebe Eltern, liebe Schülerinnen und Schüler, die ersten Schulwochen sind schon wieder Geschichte. Für den noch vor uns liegenden Teil des Schuljahres 2020/2021 wünsche ich Ihnen und natürlich Euch viel Gesundheit, gute Nerven und manchmal auch Spaß an und in der Schule.

Mit freundlichen Grüßen

K. Ziemann

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